Das Projekt Nachtklettern

Text und Fotos: Bernd Limbach

Auf kurzfristigen Zuruf unseres Kletterfreunds Siegfried traf sich eine ganze Horde an Kletterbegeisterten am 6. August 2010 zwischen 18 und 19 Uhr zum Nachtklettern in unserer Kletteranlage im Phoenix-Park. Seltsamerweise war es beim Eintreffen der meisten aber noch nicht dunkel. Was war zu tun? Langes Warten aufs Dunkelwerden? Lichtschalter suchen, um die Sonne auszuknipsen? Oder vielleicht doch schon einmal ein wenig klettern?

Was für eine Frage! Da Klettern bei den Teilnehmern hoch im Kurs stand, wurde dies natürlich sofort in die Tat umgesetzt. Glücklicherweise hatte jemand bei Petrus auch gutes Wetter bestellt. Im Laufe des Abends konnten somit bei einem herrlichen Sonnenuntergang viele Routen genüsslich hinauf- und hinuntergeklettert werden. Es wurde über vielfältige Themen gefachsimpelt und diskutiert oder über Alltägliches geplauscht. Der Genuss von selbst gemachten und gebrachten kulinarischen Köstlichkeiten kam ebenfalls nicht zu kurz und konnte an den zur Verfügung stehenden Biertischen und -bänken zu sich genommen werden. Es war also für jeden Teilnehmenden etwas dabei und es begann ein gemütliches Beisammensein!

Die schräge Strukturwand fand besonders zum Aufwärmen und zu ersten Kletterversuchen durch die Abendsonne der jüngeren Teilnehmer mehr oder weniger schweißtreibenden Anklang. Auf der sonnenabgewandten Seite tummelten sich die Schattenkletterer, die offenbar nicht so viel schwitzen und dem Rummel an der schrägen Strukturwand aus dem Weg gehen wollten. Die Profis hingegen beschlagnahmten den sonnenzugewandten Überhang, um ihr Können zu demonstrieren und neue Projekte zu erschließen.

Im Laufe des Abends konnten somit einige spannende Momente erlebt und wilde Geschehnisse für die Nachwelt fotografisch festgehalten werden.

So wurde das neue Abseilgeschirr des Kletterhundes Sam einem ersten Praxistest unterzogen, um die Handhabung zu erlernen und Sam schon einmal auf ähnliche Situationen während seines nächsten Alpenurlaubs rund um den Kaunergrat vorzubereiten. Hierzu kletterten Sam und sein Frauchen Martina parallel die schräge Strukturwand, gesichert durch Carsten und Siegfried. Auf dem Balkon angekommen, nahm Martina Sam in Empfang, ehe Siegfried nachstieg, um Sam anschließend abzuseilen. Auch hier nahm Martina Sam in Empfang, nachdem sie sich ordnungsgemäß ins Seil zum Abseilen mit Prusik eingehangen hatte. Supergut hat Sam das gemacht und freute sich beim Anblick des Fotografen und Rudelmitglieds Bernd. Durch das Wedeln mit seinem Schwanz versetzte er sich in eine pendelnde Bewegung, ein lustiger Anblick!

Simone demonstrierte gekonnt das Einklippen des Seils bei ihrem Vorstieg im Überhang. Nach dem Einnehmen einer geeigneten Position am langen Arm fädelte sie das Seil in den Haken, um vor dem nächsten Zug noch einmal ihre linke Hand zu kalken.

Nach 21.30 Uhr brach die Dunkelheit schließlich doch noch herein und an ein Klettern ohne zusätzliche Beleuchtung war nicht mehr zu denken. Da keine Flutlichtanlage installiert ist, kamen Stirnlampen zum Einsatz. Eine Erfindung von einem uns unbekannten klugen Kopf. Sehr praktisch, weil sie uns ermöglichen, mit beiden Händen weiterzuklettern und nicht eine Taschenlampe in einer Hand halten zu müssen. Was für ein Unterschied zum Klettern während des Tages! Es war eine völlig neue Herausforderung, in der Strukturwand nur durch den schmalen Kegel der Stirnlampe eine Route zu klettern. Die vielen Möglichkeiten von Griffen und Tritten blieben außer Sichtweite, weil sie schlicht und einfach in der Dunkelheit lagen, so stark war das Sehfeld eingeschränkt.

Aber etliche Kletterbegeisterte hielt das natürlich nicht ab, sich diesen Herausforderungen zu stellen, und die Seile liefen heiß. Keine Route war zu schwer, um nicht doch geknackt zu werden!

Um die Geisterstunde zog sich ein Großteil der Kletterer zurück und verließ das Geschehen mit der festen Absicht, weitere nächtliche Klettereien zu veranstalten. Auch wenn das Nachtklettern erst ein einziges Mal stattfand, aus dem Projekt war bereits vor dem Ende eine Institution geworden.

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